Dies ist ein Gastbeitrag von Laura Ginzel.

Das sagenumwobene Al Andalus, mittelalterliche muslimische Provinz in Europa, stand schon lange auf meiner Reisewunschliste, als ich Anfang 2014 endlich meinen Flug nach Malaga buchte.

In etwas über 14 Tagen wollte ich soviel wie möglich von der wunderschönen Landschaft und atemberaubenden Architektur der Region kennenlernen, aber auch eintauchen in die besondere Kultur der Menschen, entstanden aus dem Mix muslimischer, jüdischer und christlicher Einflüsse der Jahrhunderte.

Was sind die Highlights auf einer Reise durch Andalusien?

Diese und weiter Fragen stellte ich mir im Vorfeld der Reise. Leicht überfordert von der Masse unterschiedlichster Empfehlungen der Onlinecommunity und meines Bekanntenkreises tüftelte ich einige Zeit an meiner Reiseroute – die wohl meist diskutierte Frage war immer wieder:

Mehr Zeit in Cordoba oder mehr Zeit in Granada verbringen?

Hier scheiden sich scheinbar die Geister. Ich selbst kann schwerlich eine Stadt über die andere stellen, aber definitiv bereue ich, nur knapp 30 Stunden in Granada verbracht zu haben!

Aussicht über Granada mit Alhambra

Vor der sagenumwobenen Alhambra in Granada…

Nach langem Hin und Her stand die Route fest:

Ronda – Cadiz – Puerto de Santa Maria – Sevilla – Cordoba – Granada.

Los ging es in Berlin, wo ich am frühen Morgen leicht beschwipst von einer Geburtstagsfeier fast meinen Flieger nach Malaga verpasste. Den Flug verbrachte ich im Tiefschlaf, aus dem mich bei der Landung abrupt die Aufregung über den Beginn meines andalusischen Abenteuers riss.

Mit improvisierten Spanisch-Fetzen organisierte ich mir nahe des Busbahnhofs in Malaga mein erstes köstliches andalusisches Frühstück – tiefschwarzer Kaffe und ein frisches Baguette mit dem typischen Aufstrich aus frischen saftigen Tomaten mit etwas Olivenöl und Essig, dazu feinsten spanischen Schinken (der mir in Spanien weitaus besser schmeckte als daheim).

Für April war es bereits ungewöhnlich heiß bei meiner Ankunft, nach dem kalten grauen Berliner Winter genau das Richtige, um neue Lebensgeister zu wecken.

Mit dem Bus ging es von Malaga nach Ronda, die wunderschöne Aussicht auf die aufblühende Berglandschaft, die berühmten weißen Dörfer der Region, die in der gleißenden Sonne beinah unwirklich erschienen und schier unendliche Olivenhaine gaben einen großartigen Vorgeschmack auf die wilde Schönheit Andalusiens.

Im Folgenden möchte ich mit euch meine persönlichen Highlights der Reise teilen, um euch einen Geschmack zu geben, was ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

6 Tipps für eine unvergessliche Reise nach Andalusien

Tipp 1: Ronda

Sollte wirklich bei jedem Andalusienreisenden auf der To-Do-Liste stehen, auch wenn die Zeit nur für einen Tagesausflug reicht.

Alles was ihr braucht, sind wahrscheinlich knapp 3 Stunden, um einmal um die Stadt zu laufen – oder sollte ich sagen „herumzuklettern“?!

Ronda thront hoch oben auf Felsen, die in tiefen Schluchten zu allen Seiten der Stadt abfallen, was zur einzigartigen Schönheit des Ortes beiträgt. Das Herzstück der Stadt ist die über 100 Meter hohe Puente Nuevo, die mit ihren hohen Bögen die Schlucht zwischen den beiden Teilen der Stadt überbrückt.

Die Puente Nuevo in Ronda

Die berühmte Brücke Puente Nuevo in Ronda

Am besten beginnt ihr euren Rundgang von der Promenade am Alameda del Tajo, der Ausblick über das weite Tal, die Berge und vor allem die Brücke werden euch den Atem verschlagen.

Südlich der Brücke könnt ihr die Schlucht hinabwandern und den Wasserfall unter der Brücke bestaunen. Der Weg ist teils etwas steil und rutschig, also am besten keine Flip-Flops tragen 😉

Aussicht von der Brücke Puente Nuevo in Ronda

Bis zu den Bergen… eine grandiose Aussicht!

In der Altstadt solltet ihr den Plaza Duquesa de Parcent überqueren, bevor ihr über eine der beiden alten Brücken – eine römisch, eine arabisch – zurückkehrt in die andere Hälfte Rondas. An diesem Platz könnt ihr nicht nur das Rathaus bestaunen, sondern auch die Kirche Santa Maria la Mayor – Zeugin der christlich-muslimischen (Rück-)Eroberungen:

Einst römischer Tempel, bauten die muslimischen Herrscher eine Moschee im maurischen Stil, auf deren Ruinen nach Rückeroberung der Christen die Santa Maria la Mayor errichtet wurde. Zu erkennen ist dies heute noch am Minarett, das als Grundlage für den Kirchturm diente.

Sofern noch Zeit ist, solltet ihr euren Abend am Aussichtspunkt nahe des Alameda del Tajo beenden und dort mit einer regionalen Köstlichkeit bewaffnet den Sonnenuntergang über den Bergen genießen.

Blick über Ronda

Abends lohnt der Blick vom Aussichtspunkt nahe des Alameda del Tajo

Tipp 2: Cadiz – vergesst den Stadtplan.

Hier werdet ihr euch in den kleinen Gassen der Altstadt sowieso verlaufen und das ist auch gut so, weil ihr so jeden Abend auf dem Heimweg völlig neue Ecken entdeckt und dann plötzlich überraschend doch vor eurer Haustür steht.

Öffentlicher Park in Cadiz

Ohne Karte fanden wir auch kleine Parks wie diesen…

Flaniert also planlos durch die schiefen Gassen, bestaunt die schöne Architektur und die Riesenauswahl an leuchtendem Obst und Gemüse auf den Märkten und schlagt euch die Bäuche mit Tapas aus dem Meer voll, die so viel besser sind als die gewohnten Standardtapas.

Das Meer vor Cadiz strahlt unfassbar blau, man meint es sei gemalt. Den besten Blick auf diese Naturschönheit habt ihr von der Promenade an der alten Befestigungsmauer der Stadt, wer vom Laufen müde ist kann sich beim Sonnenbaden am Stadtstrand wunderbar erholen.

Blick von Cadiz auf das Meer

Das Meer von Cadiz – fast schon unwirklich blau…

Nicht entgehen lassen solltet ihr euch die Camara Oscura im Torre Tavira. Von diesem höchsten Wachtturm der Altstadt könnt ihr mit Hilfe einer Spiegelkamera einen Stadtrundgang aus der Vogelperspektive machen – nicht zuletzt aufgrund des großartigen „Guides“ ein absolutes Highlight.

Aussicht vom Mirador über Cadiz

Vom Mirador hat man eine tolle Aussicht über Cadiz

Tipp 3: Puerto Santa Maria, wo die Siesta sehr ernst genommen wird.

Das malerische Puerto de Santa Maria erreicht ihr unkompliziert per Schiff von Cadiz.

Achtet aber bei der Planung eures Ausflugs unbedingt auf die Siesta, denn die wird sehr ernst genommen in Puerto Santa Maria.

So erschien uns der Ort wie eine Geisterstadt, als wir genau zu Beginn der Siesta im Hafen einliefen – was aber seinen ganz eigenen Charme hatte. Die Straßen gehörten uns und den unzähligen Störchen, die in den Dächern der alten Paläste der Stadt brüten.

Puerto Santa Maria in Andalusien

Wie ausgestorben wirkte Puerto Santa Maria während der Siesta

Puerto Santa Maria ist eine typische Sherry-Stadt und war außerdem Ausgangspunkt der zweiten Amerikareise von Christopher Columbus. Die Stadt wirkt leicht heruntergekommen, aber genau das macht sie auch schön.

Genießt die Stille der Stadt während der Siesta, fühlt euch wie Entdecker und kehrt dann in eine der traditionellen Bodegas ein, um zu beobachten, wie der Ort zum Ende der Siesta zum Leben erwacht.

Tipp 4: Sevilla zur Feria de Abril.

Die beste Reisezeit in Andalusien ist der Frühling:

Alles erblüht und leuchtet in satten Farben, die Luft ist warm aber noch nicht so unerträglich heiß wie die Sommerhitze, die ab Juni die Pflanzen verbrennt.

Blick über die Altstadt von Sevilla

Auch im Frühling ist es schon angenehm warm in Sevilla

Jedes Jahr im Frühling findet in Sevilla die Feria de Abril statt, das zweitgrößte Volksfest der Welt nach dem Oktoberfest in München.

Auf einem riesengroßen Festplatz schlagen unterschiedlichste Vereine und öffentliche Einrichtungen ihre bunten Zelte auf, auch einen Rummel gibt es. Allabendlich treffen sich die Menschen in den Zelten zum singen, Flamenco tanzen und feiern.

Die meisten der Zelte sind nicht öffentlich, weshalb auch kaum Touristen hier unterwegs sind. Dennoch kann man in die Festzelte hineinschauen, den Gesängen lauschen und wilde Flamencotänze beobachten. Darüber hinaus gibt es öffentliche Zelte, die auch für Besucher zugänglich sind.

Wer die Gelegenheit hat, sollte Sevilla unbedingt während der Feria besuchen:

Viele der Frauen Sevillas tragen in dieser Zeit ihre schönsten Flamencokleider, die Männer wirken wie Kavaliere aus vergangenen Zeiten, sodass man in eine andere Welt eintaucht.

Frauen in Flamenco Kleidern in Sevilla

Einmal im Jahr tragen die Frauen ihre schönsten Flamenco-Kleider

Stärkt euch also am besten mit Sangria und Tapas in der Innenstadt (Oktoberfestpreise auf dem Festgelände) und folgt einfach nach Einbruch der Dunkelheit den Menschenmassen bis zum Festplatz.

Stürzt euch dort in die Menge und lasst euch treiben, bevor ihr in einem der öffentliche Zelte eure Schuhe durchtanzt.

Tor zur Feria de Abril in Sevilla

Die Party kann beginnen…

Tipp 5: Cordoba – Feria de los Patios

Auch Cordoba hat im Frühjahr eine Besonderheit zu bieten: seit beinahe 100 Jahren findet Anfang Mai die Feria de los Patios statt.

Aufgrund des heißen Klimas in Cordoba (im Mai kann es bereits über 40 Grad warm sein) sind die alten Häuser zumeist um einen kleinen, schattigen Innenhof herum gebaut. Diese Höfe bergen häufig Brunnen, aus denen früher auch das Wasser für den Haushalt geschöpft wurde. Seit der Zeit der osmanischen Herrschaft über Andalusien wurden die Innenhöfe bunt bepflanzt, auch um den Eindruck von Frische zu vermitteln.

Blick über Cordoba

Cordoba – die grüne Stadt Andalusiens

Zur Feria putzen die Anwohner der alten Häuser mit Patios diese besonders fein heraus, immerhin gibt es einen Preis für den am schönsten gestalteten Innenhof zu gewinnen.

Alle Höfe sind in diesen Wochen der Öffentlichkeit zugänglich und verzaubern mit ihren fantasievollen Bepflanzungen. Oft wird das Bild vervollständigt durch den betörenden Duft der vielen Blüten und die musikalische Untermalung durch die Hausherren.

Eine Wanderung entlang der Patio-Pfade eröffnet euch nicht nur die Möglichkeit, die Stadt anders zu entdecken, sondern verspricht auch erfrischenden Schatten in den Höfen und eine kindliche Freude über bunte Blumenmeere.

Bunter Blumenhof während der Feria de los Patio

Welcher Hof ist der schönste Cordobas?

Tipp 6: Alhambra – Tickets im Voraus kaufen und genug Zeit einplanen

Zu einem Highlight einer Reise nach Andalusien gehört natürlich auch die Alhambra in Granada. Auch wenn diese natürlich kein Geheimtipp mehr ist – verpassen sollte man sie trotzdem nicht!

Blick auf die Alhambra in Granada

Auf keinen Fall verpassen: Die Alhambra in Granada!

Bucht für euren Besuch in der Alhambra auf jeden Fall Tickets im Voraus, da die Besucherzahl vor ein paar Jahren herabgesetzt wurde und so kann es entweder zu extrem langen Schlangen führen oder dazu, dass gar keine Tickets mehr erhältlich sind! Hier könnt ihr zum Beispiel die Tickets buchen.

Auf den Eintrittskarten ist auch die genaue Uhrzeit für den Besuch der Nasridenpaläste (ca. 1 Std. einplanen) angegeben, hier sollte man nicht zu spät kommen, denn sonst wird man nicht mehr herein gelassen.

Mit etwas Glück kann man im Internet noch die Uhrzeit für den Besuch der Paläste aussuchen. Ich empfehle euch die Paläste als letztes aufzusparen, sozusagen als Highlight des Tages.

Aussicht von der Alhambra über Granada

Eine grandiose Aussicht…

Löwenhof in der Alhambra

… und der berühmte Löwenhof

Ansonsten lasst euch genug Zeit, die imposanten Gebäude und die romantischen Gärten auf euch einwirken zu lassen. Verirrt euch in den Gassen und Gängen der Paläste und fühlt euch wie eine arabische Prinzessin in vergangenen Zeiten.

Wer möchte, kann sich auch Getränke und etwas Proviant mitnehmen. Die ausgedehnten Gartenanlagen laden gerade dazu ein mit etwas Wein, Brot und Oliven die wunderschönen Plätze und die grandiose Aussicht zu genießen.

Ausblick über die Gärten der Alhambra

Müde vom Laufen? Ein Picknick bei dieser Aussicht belebt die Geister!

+ Zusatz Tipp 7: Free Tapas in Granada

Vielleicht etwas profan, aber doch ein wunderbar überraschendes Highlight für Budget-Reisende: die kostenlosen Tapas von Granada.

Was einst überall in Spanien üblich war, ist heute eine kleine Besonderheit, denn Granada ist einer der letzten Orte, in denen zu jedem bestellten Drink Tapas auf Kosten des Hauses serviert werden.

Man kann sich also ruhigen Gewissens durch eine Anzahl spanischer Weine probieren, denn am Ende spart man die Kosten für das Abendessen 😉

Dabei sind die Tapas so vielfältig wie die Restaurants von Granada, denn nicht nur spanische Bodegas spendieren kleine Häppchen, sondern beispielsweise auch arabische Restaurants. Dort gibt es dann statt Chorizo oder Kroketten einfach kleine leckere Kebabs und Hummus auf Kosten des Hauses.

Viel besser kann man den Tag nach ausgiebigem Bestaunen der Alhambra gar nicht ausklingen lassen..

Natürlich gibt es an allen von mir erwähnten Orten noch viel viel mehr zu entdecken als oben genannte Tipps.

Aber vielleicht können sie euren Urlaub noch einmaliger machen, als allein der Besuch der überwältigenden Attraktionen der Region wie die Alhambra von Granada, die Mezquita in Cordoba oder der Alcazar Palast in Sevilla.

Weitere Infos und besondere Tipps für Andalusien findet ihr auch hier:

Going Vagabond: Almería, der vergessene Ort in Andalusien und 5 Gründe warum sich ein Besuch lohnt

Reisaufnahmen: Heute Prinzessin – Zu Besuch in Granada und der Alhambra

Fernwehosophy: Andalusia on Film 

Claudi um die Welt: Sevilla – Der Duft einer Stadt 


Laura hat in Erfurt und Durham Sozialwissenschaften studiert mit besonderem Fokus auf Gesellschaft und Kultur des Nahen und Mittleren Ostens.

Das Reisefieber hat sie schon seit über 20 Jahren gepackt. Seit ihrem Erasmus-Semester in Istanbul kehrt sie immer wieder in den Nahen und Mittleren Osten zurück und hat bereits Ägypten, Israel, die Arabischen Emirate und den Irak bereist sowie für mehrere Monate in Jordanien gelebt.

Heute entdeckt sie von Berlin aus die Welt und arbeitet für Zenith – Zeitschrift für den Orient.

Aussicht über Granada mit Alhambra

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2 Responses

  1. Tanja

    Liebe Laura,

    vielen lieben Dank für die Verlinkung!

    Die Feria de Abril in Sevilla kannte ich noch gar nicht. Sieht toll aus! Und das Dörfchen Puerto Santa Maria wäre ganz nach meinem Geschmack.

    Schade, dass so eine Reise immer viel zu kurz ist.

    Gerade Andalusien hat in meinen Augen so viel zu bieten, dass es schwer ist, sich auf die paar Urlaubstage zu beschränken, die man häufig für eine Reise nur hat. Die Auswahl an schönen Orten ist einfach zu groß.

    Kein Wunder, das sich die Routen auch immer sehr unterscheiden. Deine Routenempfehlung wäre mir vor meiner Reise sicher eine große Hilfe gewesen!

    Viele Grüße
    Tanja

    Antworten

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