Borneo. Das klingt nach Regenwald, Hitze, Feuchte, fremden Geräuschen, wilden Tieren und einer Prise Abenteuer.

Diesen Sommer hatte ich die einmalige Gelegenheit, mit einer tollen Gruppe aus leidenschaftlichen Wissenschaftlern und interessierten Studenten in den tropischen Regenwald nach Borneo zu fahren. Gleichzeitig war es für mich auch die erste Reise nach Südost-Asien.

Regenwald im Kubah Nationalpark auf Borneo

Baumriesen sind im Kubah NP keine Seltenheit

In der nächsten Zeit werde ich einige besonders tolle Orte und Geschichten meiner Reise erzählen.

Wo wächst die größte Blüte der Welt, wie ist es eine Baby-Schildkröte in die Freiheit zu entlassen und was hat Palmöl mit Orang-Utans zu tun?

 Heute geht es aber erst mal nach Kubah.

Wieso das denn, fragst du dich vielleicht, ich denke es geht hier um Borneo??

Geht es ja auch.

 

 Der Kubah Nationalpark in Sarawak ist ein Muss für Regenwald- und Amphibien-Fans!

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Kubah Nationalpark 1.612769, 110.196905 Kubah Nationalpark Auf unserer Tour in den Kubah Nationalpark entdecken wir tatsächlich den kleinsten Frosch Asiens. Wie es dazu kam, lest ihr hier.

 

Doch immer der Reihe nach. Weil wir nicht so richtig wussten, welche Nationalparks sich in Sarawak lohnen, waren wir gleich am ersten Tag in Kuching in der Touri-Information.

Hab ich früher meist nie gemacht, weil ich immer dachte, dass die einem da nur so teure Touren aufquatschen wollen und außerdem will man ja sowieso ein ganz individueller Reisender (mit dem Lonely Planet im Rucksack) sein und sich nicht dem Massentourismus hingeben.

Naja, zum Lonely Planet, der nun gar nicht mehr einsam ist, muss man ja nichts mehr sagen, aber von den Tipps in der Touri-Information umso mehr.

 Geheimtipps in der Touri-Information

Die Dame mit dem netten asiatischen Lächeln hat uns tatsächlich einige gute Nationalparks genannt und uns unter anderem von der nächtlichen Frosch-Tour im Kubah Nationalpark erzählt.

Von 190 Frosch- und Krötenarten auf Borneo kommen im Kubah NP allein 61 vor. Damit ist er der mit Abstand artenreichste Nationalpark bezüglich Amphibien auf der ganzen Insel.

Diese Information gepaart mit der Möglichkeit die Frösche bei einer nächtlichen Tour live zu sehen, ließ natürlich unsere Ökologen-Herzen schneller schlagen und eine halbe Stunde später hatten wir eine Übernachtung im Kubah Nationalpark gebucht.

 

„Kubah – The Home of Palms and Frogs“

So empfängt und der Kubah NP wenige Tage später. Etwa 30 Minuten dauert die Fahrt von Kuching mit einem normalen Linienbus und dann sind es noch mal ein paar hundert Meter zum Eingang des Parks. Wohlgemerkt sehr steile Meter.

Wer hätte eigentlich gedacht, dass diese Insel so bergig ist?!

Im Empfangshäuschen melden wir uns an und fragen nach dem Ranger, der uns am Abend zu den Fröschen führen soll. Ranger Dominic, der uns naive Mädels zunächst nach Strich und Faden veräppelt, scheint völlig überrascht zu sein, dass es Touristen gibt, die tatsächlich nur wegen der Frösche nach Kubah kommen.

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You really came for the frogs?

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So seine leicht belustigte Frage, nachdem wir nach der Frosch-Tour gefragt haben.

Ja, sind wir. Bäume hatten wir ja die letzten zwei Wochen schon genug gesehen. Wir wollten endlich die tropischen Tiere sehen!

Trotz Belustigung verabredete Dominic sich mit uns um 18:30 für den Night-Walk. Es gab nur eine Einschränkung: Falls es abends regnen sollte, würde die Tour ins Wasser fallen.

Pilz im Kubah Nationalpark auf Borneo

Ein Pilzlein steht im Walde…

Wir hatten noch den ganzen Tag vor uns und konnten so schon mal den Park vorab erkunden.

Es gibt in den Nationalparks auf Borneo meist verschiedene Trails (also Wanderwege) mit verschiedenen Laufzeiten und Schwierigkeitsgraden (ich wiederhole hier noch einmal: Borneo hat verdammt viele Berge!).

Zur Einstimmung haben wir uns den Waterfall-Trail rausgesucht, der, wie sollte es anders sein, an einem großen Wasserfall endet.

Der Weg zum kühlen Nass führt durch einen natürlichen Dipterocarpen-Wald (wichtigste Baumfamilie des südost-asiatischen Regenwalds) mit vielen Baumriesen und den oben schon genannten Palmen in allen Variationen.

Auf dem Weg begegnen uns viele spannende und gleichzeitig merkwürdige Tiere.

Urzeitkrabbler, flauschige Raupen und grün-türkise Stabheuschrecken krabbeln über den feuchten Boden oder sitzen gut getarnt auf den riesigen Blättern. Auch ein sogenannter „Flying Lizard“, eine Echse die von Baum zu Baum fliegen kann, versteckt sich mit seiner grünen Tarnung auf einem der großen Dipterocarpus-Bäume.

 

Etwa zwei Stunden und drei durchgeschwitzte T-Shirts und Hosen später, sind wir endlich da. Das Plätschern und Rauschen wird immer lauter und ein kleiner Fluss schlängelt sich über glatte Felsen und glitzernden Kies.

Dahinter: ein wunderschöner Wasserfall wie aus der Herbal Essence Werbung entsprungen!

Die verschwitzten T-Shirts landen schwungvoll auf den glatten Steinen und wir unter dem Wasserfall.

Wasserfall im Kubah Nationalpark auf Borneo

Ein tropischer Wasserfall-Traum

Nach dem Baden und Abkühlen bleibt noch reichlich Zeit den Wasserfall aus sämtlichen Perspektiven zu fotografieren (leider etwas notdürftig, da das Stativ im Zimmer geblieben war). Hätte ich mir die super Tipps zur Wasserfall-Fotografie auf dem tollen Blog von Tiffany Wüest mal vorher durchgelesen, wären die Fotos vielleicht noch nen Tick besser gelungen.

Die Zeit am Wasserfall vergeht rasend schnell und bald geht unsere Frosch-Tour los. Noch eine leckere Portion Instant-Nudeln und dann ist auch schon halb 7.

Doch pünktlich um 18:15 Uhr will uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen: Es fängt an wie aus Kübeln zu gießen! Die Tour können wir wohl vergessen…

Als Ranger Dominic anruft, vertröstet uns dann aber auf später, wenn der Regen wieder aufgehört hat.

Nur eine Stunde später hat sich das ganze Wasser-Spektakel gelegt und nur die Sturzbäche auf dem (verdammt steilen!) Weg nach unten sind stumme Beweise von diesem tropischen Regenereignis.

 

Endlich beginnt unsere Frosch-Tour

Wir fahren mit dem Auto ein Stück weiter den Berg hinauf bis hin zum natürlichen Frosch-Teich, wo man viele verschiedene Arten an einer Stelle beobachten kann.

Mit Taschenlampen bewaffnet, tasten wir uns langsam Richtung Teich vor. Der gerade herunter gekommene Regen hat die moosige Holzplattform natürlich nicht unbedingt rutschfester gemacht.

Und dann sehen wir sie, in der stockfinsteren Nacht dieses tropischen Walds:

Etliche kleine, runde Glitzeraugen schauen in unsere Lichter. Sie sitzen überall.

Auf der Plattform, im Teich, auf Blättern, Ästen und auf den Bäumen. Bis zu vier oder fünf Meter hoch können wir noch die Froschaugen im Dunkeln erkennen.

Und sie sind wirklich nah. Auf dem Geländer unserer Plattform haben sich einige Frösche niedergelassen. Große und kleine.

Insgesamt finden wir hier am Teich sieben verschiedene Arten. Das hört sich natürlich nicht so viel an, aber die Tour fand ja auch später statt als geplant und deshalb waren einige Arten schon nicht mehr auffindbar.

Frosch im Regenwald im Kubah Nationalpark, Borneo

Mit großen Augen schaut uns dieser Frosch an

Frosch im tropischen Regenwald im Kubah Nationalpark, Borneo

Eine der häufigsten Arten am Froschteich: ein Ohrenfrosch (Polypedates otilophis)

Doch einen Trumpf hatte unser Ranger noch in der Hinterhand.

Er erzählt uns von dem kleinsten Frosch Südost-Asiens, vielleicht sogar ganz Asiens.

Vor gerade erst vier Jahren wurde diese Art im Kubah Nationalpark zum ersten Mal entdeckt und beschrieben. Und wie sollte es anders sein, natürlich von einem fleißigen Zoologie-Studenten aus Deutschland 🙂

Die Art Microhyla nepenthicola konnte bisher nur im Kubah Nationalpark nachgewiesen werden und wird daher auch als endemisch eingeschätzt (das heißt, dass sie wohl nur an diesem Ort vorkommt).

Das besondere an diesem winzig kleinen Frosch:

Er lebt in und um die fleischfressendes Kannenpflanzen Nepenthes. Diese Pflanzen habt ihr bestimmt auch schon mal im Baumarkt neben den Venusfliegenfallen gesehen.

Die Eier des Froschs entwickeln sich in der Flüssigkeit in den Kannenpflanzen und der erwachsene Frosch lebt sein Leben lang in unmittelbarer Nähe dieser Pflanzen. Wer noch mehr über diese besondere Art erfahren möchte, kann ja mal hier gucken.

Fleischfressende Kannenpflanze im Kubah Nationalpark, Borneo

Das Habitat von Microhyla nepenthicola, dem kleinsten Frosch Südost-Asiens

Ein paar Meter vom Frosch-Teich entfernt, gibt es eine Stelle an der die Nepenthes-Pflanzen wachsen. Jetzt suchen unsere 8 Augen vereint nach diesem kleinsten Frosch Asiens.

Nur, wonach soll man eigentlich gucken? Wie soll man einen kleinen braunen Forsch von etwa 1 cm Größe auf einem braunen, mit Blättern übersäten Waldboden finden?

Doch er ruft uns förmlich mit seinen leisen, klickernden Lauten. Und als wir schon fast aufgegeben haben ihn noch zu finden, kommt der Ruf unseres Rangers.

Er hat tatsächlich einen der kleinen Winzlinge gefunden.

So groß wie ein Fingernagel, ja fast wie eine Erbse, sitzt dieser Frosch bewegungslos auf einem Blatt. So klein und so ruhig, dass man ihn einfach kaum bemerkt.

Mit so einem Glück hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Und so wurde unsere Frosch-Tour doch noch zu einem vollen Erfolg und mit vielen tollen Eindrücken und Bildern verlassen wir am nächsten Tag den Kubah Nationalpark.

Microhyla nepenthicola der kleinste Frosch Südost-Asiens

Der Vergleich Finger : Frosch – so groß wie ein Fingernagel

Das war nun der erste Artikel von der Borneo-Reihe. Ich hoffe er hat Dir gefallen.

Es werden noch einige Artikel folgen, zum Beispiel von unserer Tour in ein abgeschiedenes Dorf in den Bergen und von unserem Ausflug auf die Schildkröten-Insel.

Warst du auch schon mal im Regenwald oder in Südost-Asien? Oder hast du vielleicht Fragen oder Anmerkungen?

Dann immer los, freu mich über alle Kommentare!

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8 Responses

  1. Michael Oliver

    Fesselnd, kurzweilig und informativ – wirklich toll geschrieben! Weiter so!

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  2. Rebecca

    Hallo Carina!
    Ich finde deine Blogs sehr interessant und gutgeschrieben. Super, dass du so neugierig bist und mutig fremde Welten entdeckst! Fände es toll, wenn meine zwei Töchter später auch mal in die weite Welt reisen würden. Sowas nimmt man für immer mit und das kann einem niemand mehr nehmen. Willst du auch mal nach Vietnam? Habe gehört dort soll es auch sehr schön sein? Weiter so und ganz liebe Grüße von uns allen aus Brühl!

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    • Carina

      Danke Rebecca!
      Freut einen ja immer, wenn man mit seinen Geschichten Menschen erreicht und sie ihnen auch noch gefallen 🙂
      Und beim Reisen entstehen ja meiner Meinung nach auch die besten Geschichten.
      Vietnam und Kambodscha erleben ja gerade einen ziemlichen Boom und dieses Jahr waren auch schon ein paar Freunde von mir da. Reizt mich auf jeden Fall auch, da mal hinzufliegen.
      Viele Grüße in den Süden 🙂

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  3. Monika

    Wir kamen ja schon in den Genuss deinen Bericht mündlich zu erleben, aber geschrieben ist er noch einmal besonders kurzweilig und spannend, ganz toll. Wir freuen uns mit dir und sind sehr stolz auf dich, Ma und Pa.

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