Die Sonne geht unter, es wird langsam dunkel. Die Tiefsand-Abschnitte und riesigen Matschlöcher werden in der Dunkelheit immer undeutlicher zu erkennen.

Wir sind schon seit über einer Stunde im dichtesten Busch unterwegs. Was ich noch nicht ahne: wir werden noch fast vier weitere Stunden unterwegs sein bis wir unser Ziel, das Selinda Schutzgebiet, erreichen.

Vor uns liegt ein breites Matschloch, das Wasser steht gut 50 cm hoch. Es gibt keinen Weg drum herum, wir müssen mitten durch. In der Mitte des Matschlochs bleibt das Auto stehen und die Reifen drehen mit lautem Quietschen durch…

Sonnenuntergang in Botswana

Sonnenuntergang – schön anzusehen, solange man nicht fahren muss

Die Geduldsprobe

Letzten Sonntag schrieb ich an dieser Stelle, dass es am nächsten Tag losgehen würde, nach Selinda, ins Schutzgebiet in dem ich die Daten für meine Master Arbeit erheben würde.

Der Plan war, morgens um 5:30 loszufahren, damit man in den kühlen Morgenstunden fahren kann und nicht wenn es mittags so heiß wird. Doch am Sonntag bekam ich in der River Lodge noch einen Anruf, dass ich doch morgens um 8 ins Büro von Great Plains Conservation in Maun kommen solle.

Ok, so viel also zu 5:30 Uhr…

Am nächsten Morgen musste ich dann noch alle Sachen in meinem Zelt zusammen packen und die Rechnung in der River Lodge für meine drei Übernachtungen bezahlen. Es war schon fünf vor 8 und ich hatte noch nicht mal gefrühstückt. Schnell ein Brot für die Fahrt schmieren und eins hinunterschlingen, damit ich bloß nicht viel zu spät komme! Ist ja schon kurz vor 8!

Als ich um viertel nach 8 abgehetzt im Büro ankomme, ist von Aufbruch-Stimmung nichts zu spüren.

Der Truck, den ich begleiten soll, wird noch seelenruhig beladen und Pete, mit dem ich verabredet bin, ist noch im Montag-Morgen-Meeting. Und dafür also hab ich aufs Zähneputzen verzichtet?!

Ich bin einfach noch viel zu deutsch was Termine und Verabredungen angeht!

Tja, und es sieht auch nicht so aus als ob wir hier bald los könnten. Es werden dringend noch Teile benötigt, die jemand hierher bringen soll. Dieser jemand ist aber anscheinend gerade nicht erreichbar und bevor die Dinge nicht aufgeladen sind, kann es nicht losgehen.

Truck nach Selinda

Mit diesem Monster-Truck soll ich zusammen ins Gebiet fahren

Die Stunden und Minuten ziehen sich dahin. Der zweite geplante Uhrzeit von 9:30 Uhr streicht dahin und ich sitze währenddessen im Büro und versuche wenigstens ein bisschen zu arbeiten. Doch das Internet streikt, also sitze ich und warte.

Und warte.
Und warte.
Und warte.

Es ist schon nach 12 Uhr. Die Autofahrt wird ungefähr sieben Stunden dauern und ich kann mir ausrechnen, dass wir das Camp gerade noch im Hellen erreichen werden.

Um kurz nach 13 Uhr heißt es: Wir sind fertig beladen, es kann losgehen!

Ich kann es kaum glauben! Endlich! Noch weniger kann ich allerdings glauben, dass es trotzdem noch 2 (!!) Stunden dauert, bis wir den Motor unserer Autos starten. Wir kommen nur ein paar Kilometer. Ein Mitarbeiter, der noch dazusteigen sollte, hat seinen Reisepass verloren und könnte dann nicht wieder mit dem Flugzeug zurückfliegen. Also erst mal das Office anrufen und abklären, was nun zu tun ist.

Um 15:30 ist alles geklärt, ich hab den Mitarbeiter, Kumbalani, eingesammelt und wir verlassen tatsächlich Maun in Richtung Busch!

Selfie vor der Fahrt nach Selinda

Vor der Autofahrt, man beachte den Vorher-Nachher-Effekt…

Die härteste Autofahrt meines Lebens

Zwei Stunden lang geht’s über Teer- und Schotterstraßen hinaus aus der Stadt bis wir gegen 18 Uhrden Sandweg in den Busch hinein erreichen. Von jetzt an haben wir noch etwa eine Stunde Tageslicht und der Großteil der Strecke liegt noch vor uns.

Im Büro wurde ich morgens gefragt, wie denn meine Skills in „Sandfahren“ sind. „Ähm, nicht vorhanden?!“. Tja, und jetzt komm ich nicht drum herum, meine „Sandfahr-Skills“ werde ich mir jetzt wohl aneignen müssen.

Das Sandfahren ist allerdings nicht wirklich der Rede wert, da durch den Regen die Sandstrecken doch relativ kompakt sind. Größeres Problem sind die riesigen Matschlöcher. Durch große Trucks, wie der hinter mir, sind manche Stellen so breit und tief mit Wasser gefüllt, dass ich das Gefühl habe, das stinkende Wasser kommt gleich zur Tür herein.

 

Immer wieder und wieder tauchen die Löcher vor uns auf und jedes Mal wieder bete ich in mich hinein, dass wir nicht stecken bleiben. Doch es kommt, wie es kommen muss  und nach knapp einer Stunde taucht ein breites und sehr schlammiges Matschloch vor uns auf. Wir fahren hinein und in der Mitte bleibt Freddy stecken. Die Reifen drehen durch.

Ok, durchatmen. Den 4×4 Modus einlegen, den Diff-Lock betätigen und versuchen langsam rauszufahren.

Keine Chance. Die Reifen drehen durch.

Die ganze Prozedur noch einmal mit dem Rückwärtsgang. Wir kommen ein paar Zentimeter zurück, dann drehen die Reifen wieder durch. Wir probieren es vor und zurück, doch jedes Mal scheitert der Versuch nach wenigen Zentimetern. Mein Mitfahrer Kubalani steigt aus und versucht mich anzuweisen, und tatsächlich wir kommen ein Stückchen weiter heraus. Jetzt ganz vorsichtig, damit wir den gewonnen Vorsprung nicht wieder verlieren. Und gaaanz langsam geht’s weiter zurück und wir schaffen es rückwärts wieder aus dem Loch!

Und ich kann es kaum glauben, rechts von uns gibt es eine kurze Strecke ohne Matschloch, sodass wir nicht wieder durch das Loch durchmüssen, aus dem wir es gerade erst geschafft haben!

Ich bin jetzt schon ziemlich fertig mit den Nerven, doch es liegen noch knapp 70 Kilometer vor uns.

 

70 Kilometer, das ist doch ein Klacks!

Leider nicht, wenn man mit höchsten 20 km/h voran kommt. Dann dauern 70 Kilometer noch ungefähr dreieinhalb Stunden. Und die Sonne ist bereits untergegangen und nur mit Fernlicht sieht man die Matschlöcher auch nicht unbedingt besser.

Nach jedem weiteren Matschloch hoffe ich inständig, dass dies das letzte gewesen ist, doch leider kommen noch unzählige mehr. Wir fahren und fahren und fahren und ich habe längst keine Ahnung mehr, wie weit es überhaupt noch ist. 21 Uhr geht vorbei, 22 Uhr geht vorbei und um 22:30 Uhr stehen wir plötzlich und ohne Vorwarnung vorm Camp!

Ankunft im Selinda Camp

Geschafft! Völlig am Ende und dreckig, aber heil angekommen!

Wir haben es geschafft!

Ich bin unglaublich erleichtert! Ich darf die Nacht im Haus eines der Manager verbringen und habe mein eigenes Luxuszelt für mich. Nach der Fahrt kann ich das aber erst mal gar nicht genießen, denn ich bin einfach nur komplett fix und fertig. Freddy ist komplett voll mit Schlamm, Dreck und Spuren von den Büschen an der Seite und ich fühle mich ungefähr genauso.

Ankunft im Paradies

Am nächsten Morgen geht es noch ein paar Kilometer weiter, denn wir haben in der Versorgungszentrale der Camps übernachtet. Da ich aber weiter zum Selinda Camp muss, werde ich von einer Mitarbeiterin von Great Plains begleitet und zur Selinda Lodge geführt.

Und was mich dort erwartet, verschlägt mir die Sprache:

 

Eine wunderschöne Lodge mitten in einer paradiesischen, afrikanischen Landschaft. Nilpferde tummeln sich in dem Fluss vor der Lodge, Eichhörnchen flitzen durchs Camp, bunte Vögel hüpfen durch die Bäume und ein paar Antilopen sind von Weitem zu sehen.

Ich bekomme ein eigenes Zelt, das mich an die vielen Kataloge und Hochglanzbilder für Flitterwochen erinnert. Das Bad ist mit freistehender Badewanne ausgestattet, die Dusche steht frei und das Doppelbett hat einen romantischen Vorhang noch dazu ist alles im nostaligschen Stil eingerichtet.

Neben meinen Feldaufnahmen, bei denen ich regelmäßig den Tieren näher komme als mir lieb ist, darf ich auch an einem Game-Drive, also einer Safari-Fahrt, mit den Gästen teilnehmen. Und an nur einem Abend sehe ich mehr Tiere als bisher an allen Tagen zuvor! Von den kleinen, bunten Bienenfressern, über die massiven Hippos bis zu den Giganten Afrikas, den Elefanten. Gleich eine ganze Herde mit Jungtieren, eines davon erst wenige Tage alt, können wir beim Sonnenuntergang beobachten.

Gänsehaut pur, kann ich euch sagen!

Dennoch bin ich natürlich fleißig dabei, meine Studie voran zu bringen und die Daten für meine Materarbeit aufzunehmen. Wie es weiter geht und welche Camps ich nächste Woche kennen lernen darf, erfahrt ihr bald hier an dieser Stelle!

Ich freu mich übrigens über alle Kommentare, also schreibt mir! Ich will von euch hören! 🙂

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13 Responses

  1. Julia

    Wow, was für geile Bilder!
    Die Fahrt hört sich echt nach einem Horrortrip ab,
    aber dafür ist das Endziel umso schöner.
    Ich möchte auch in dieser geilen Lodge schlafen.
    Hab eine tolle Zeit!
    Alles Liebe aus Berlin,
    Julia

    Antworten
    • Carina

      Danke! Ja die war Fahrt hat mich gefühlt 10 Jahre altern lassen, aber dafür ist es jetzt umso schöner einfach 5 Wochen im Busch zu verbringen und die afrikanische Natur zu genießen 🙂
      Bis hoffentlich ganz bald in Berlin!

      Antworten
  2. Inka

    Woah, das ist so irre spannend! Ich kann gar nichts weiter sagen als: ich hab den Bericht verschlungen und bin gespannt auf weitere! 🙂
    LG
    /inka

    Antworten
    • Carina

      Hehe, freut mich, dass dir der Artikel gefällt und hoffe ich kann noch ganz viel spannenden Stoff für kommende Artikel „produzieren“ 😀
      Liebe Grüße!

      Antworten
  3. Elisa

    Ui, das klingt ja wirklich nach einer abenteuerlichen Fahrt! Aber mit einem mehr als verdienten Happy End. 🙂
    Die Bilder sind traumhaft schön, da bekomme ich gleich wieder Fernweh. Ich freue mich schon auf deine weiteren Berichte.

    LG
    Elisa

    Antworten
  4. Sabine von Ferngeweht

    Uff, was für eine Fahrt! Da hast Du ja mal die sprichwörtliche afrikanische Gelassenheit mit all ihren Konsequenzen miterlebt 😉 Ich wünsche Dir einen stressfreieren Aufenthalt im Camp und viel Erfolg bei Deinen Studien!

    Antworten
  5. Marion

    Liebe Carina,
    wow, da haben sich die Strapazen der Fahrt aber wenigstens gelohnt! Die Bilder sind wunderschön. Und die Lodge entschädigt wirklich für die ganze Aufregung.

    Bei Deiner Fahrt musste ich sofort an meine Horror-Fahrt in Kolumbien denken. Auf dem Rückweg von unserer Ökolodge am Pazifik, die nur mit dem Boot zu erreichen ist, erwartete uns ein altersschwacher Jeep – mit geöffneter Motorhaube. Was natürlich kein gutes Vorzeichen war… Diese Klapperkiste sollte uns zum Flughafen bringen, von wo aus es mit einer kleinen Propellermaschine nach Medellin weitergehen sollte. Doch die Straße hatte sich in eine Schlammpiste verwandelt und wir steckten ständig fest. Meter für Meter quälten wir uns durch den Matsch. Anschieben, wieder ein Meter, wieder festgefahren… Die Zeit bis zum Start unseres Fluges lief uns davon. In allerletzter Minute kamen wir schließlich am Flughafen an. Ende gut, alles gut 🙂

    Liebe Grüße,
    Marion

    Antworten
  6. Bibo & Tanja von den Auszeitnomaden

    Hallo Carina,

    mega geiler Bericht,auch wenn er für dich /Euch sehr sehr anstrengend war!
    Die Bilder dazu runden diese Erlebnistour noch ab …..und wir träumen uns mit dir hinweg nach Botswana!!

    Liebe Grüße von uns ….:-)

    Antworten
  7. Storytelling-Monatsrückblick Februar - Bezirzt

    […] Carina von Last Paradise hat mich mit “schlimmste Autofahrt” geködert. Ich hasse alles, was mit Autos zu tun hat weil ich ein absoluter Schisser im Straßenverkehr bin. Klar, dass ich den Text dazu lesen musste. Solltet ihr auch tun. Hier geht es nach Afrika. […]

    Antworten
  8. Lu

    Was für ein krasser Trip. Aber für diese wunderschöne Lodge hat es sich ja dann mehr als gelohnt. 🙂 Tolle Fotos übrigens, die du geschossen hast! Ich wünsche dir auch ganz viel Erfolg und eine tolle Zeit. Liebe Grüße Lu

    Antworten
  9. Wibke

    Ist das schön!!! Also auf die Fahrt könnte ich auch gut verzichten, aber die Fotos sind so toll, dass mich gerade extremstes Fernweh gepackt hat.
    LG Wibke

    Antworten
  10. Alexandra

    Liebe Carina,

    was für ein Abenteuer, das Du in Afrika erlebst! Ich wäre glaube ich ausgeflippt und heute pure Angst gehabt bei so einer Fahrt. Traumhafte Fotos von der Natur und in einem solchen Camp würde ich mich auch wohlfühlen :-). Schön, dass ich Deinen Blog heute entdeckt habe :-).

    Liebe Grüße,
    Alexandra

    Antworten
  11. Neni

    Was für ein Erlebnis!
    Aber wenn man die Bilder sieht, scheint es das alles wert gewesen zu sein 🙂

    Antworten

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