Die Sonne steht hoch am Himmel und blinzelt zwischen einigen dunklen, regengrauen Wolken hindurch. Ich drehe den Zündschlüssel und der Motor von meinem Hilux gibt einen lauten Brummton von sich.

Vor mir liegen mehr als 800 Kilometer auf dem Trans-Kalahari-Highway, eine schnurgerade Straße durch zwei Länder und am Ende wartet ein vertrauter Ort auf mich, den ich vor drei Jahren in mein Herz geschlossen habe.

Hinter mir liegt eine anstrengende Woche in einer ziemlich dreckigen Wohnung in einer fremden Stadt und noch anstrengendere Gesprächen und das Gefühl nichts tun zu können.

Ich blicke noch einmal in den Rückspiegel, dann gebe ich Gas.

Ghanzi-Regenbogen-Kalahari

Am Ende der Reise erwartet mich tatsächlich ein Regenbogen!

Windhoek – Das Abenteuer kann beginnen!

Nach einer Woche in Katima Mulilo, die sich so zäh anfühlte wie ein zu lange gekautes Kaugummi, geht es endlich weiter. Am Mittwoch besteige ich den Flieger Richtung Windhuk und nach kurzem Zwischenstopp in Rundu, bei dem wie bei einem Bus Passagiere ein und aussteigen, erreichen wir nach etwa zweieinhalb Stunden die Hauptstadt Namibias.

Flug von Katima Mulilo nach Windhuk

Vor dem Flug hatte ich noch gut lachen…

Ich bin erstaunt, wie bergig es hier ist! So hatte ich mir Windhuk überhaupt nicht vorgestellt, eher wie eine große, staubige Stadt inmitten einer noch größeren staubigen Fläche.

Doch im Gegenteil!

Es ist grün und bergig rund um die Stadt! Große braune Felsen durchbrechen die von grün besprenkelte Landschaft. Wenn ich in sechs Wochen wiederkomme, muss ich mir die Stadt und die Umgebung noch mal genauer ansehen!

Bei meinem Autovermieter Value Car Hire habe ich einen Airport-Transfer gebucht, doch auch nach etwa einer halben Stunde ist keiner aufgetaucht um mich abzuholen. Die Ankunftshalle des kleinen Flughafens für die Inlandsflüge hat sich mittlerweile komplett geleert und auch die Transfer-Taxis, die am Anfang auf potentielle Passagiere gewartet haben, sind mittlerweile wieder abgefahren als sich keiner für einen Transfer gemeldet hat.

Tja, und ich könnte jetzt ganz gut einen gebrauchen. Ich fange an zu schwitzen. Es ist nicht einmal jemand da, den ich bitten könnte mir ein Taxi zu bestellen.

Und dann kommt Gerhard, ein schwarzer Taxifahrer, der anscheinend keine offizielle Lizenz hat, denn er darf mit seinem Auto nicht auf den Parkplatz des Flughafens fahren. Mir gerade aber egal, ich bin froh, dass überhaupt einer da ist, der mich zu meiner Autovermietung bringen kann.

Als ich seinen klapprigen Bus sehe, der fast auseinander fällt, bin ich kurz davor es mir noch einmal zu überlegen. Aber er ist gerade der einzige verfügbare Taxifahrer – also egal!

Die Fahrt zur Vermietung ist kurz und der Preis für die Fahrt unangemessen hoch. Was mir aber erst abends klar wird als ich die normalen Taxipreise von Locals erfahre. Ich habe etwa doppelt so viel bezahlt, wie üblich gewesen wäre…

Naja, irgendwie gehört die Taxifahrer-Abzocke ja auch zu jeder Reise dazu, oder?

Toyota Hilux

Mein Partner für 6 Wochen Afrika: „Freddy“

Darf ich vorstellen: „Freddy“

In der Autovermietung bekomme ich meinen neuen Gefährten für sechs Wochen gezeigt:

Einen fast neuen Toyota Hilux Diesel 4×4. Die Reifen gehen mir bis zur Hüfte, der Kühler ist riesig und der Kofferraum ist so groß, dass man darin ne Party feiern könnte.

Ich find’s genial und taufe meinen neuen Freund Freddy.

Nach ausführlicher Einweisung in Freddys Eigenschaften und wie er im Fall einer Panne zu handeln ist, geht’s dann auch schon gleich los und auf die Straße. Auf der linken Seite.

Moment, hier im Auto ist ja auch alles spiegelverkehrt. Mit der Kupplung auf der linken Seite komme ich schnell klar, doch auch Scheibenwischer und Blinker sind vertauscht. Mindestens die ersten 5 Kreuzungen setze ich zum Blinken an und wundere mich sehr, dass der Scheibenwischer losgeht.

Ich checke ein im Chameleon Backpacker Hostel in Windhoek, das nicht weit entfernt ist von meiner Autovermietung, doch meilenweit entfernt ist von meiner letzten Unterkunft. Zumindest sauberkeitsmäßig.

Ich hab mich glaub ich noch nie so sehr über eine saubere Dusche und ein staub- und spinnenfreies Zimmer gefreut.

 

Abends treffe ich noch Kommilitonen von meiner Uni, die nur wegen Verzögerungen in ihrem Projekt noch in Windhoek sind. Eigentlich hatten sie geplant, heute schon auf dem Weg nach Etosha zu sein. Wir treffen uns im Hostel von Gerda, in dem die anderen wohnen und es tut gut nach einer Woche nur mit meinen beiden Betreuern mal wieder mit Gleichgesinnten zu quatschen!

Auf geht’s nach Botswana!

Nach einer ziemlich unruhigen Nacht, in der ich gefühlt nur zwei Stunden schlafe, geht’s am nächsten Vormittag auf die weite Tour über den Trans-Kalahari-Highway von Windhoek nach Ghanzi in Botswana.

Noch nie bin ich so eine lange Strecke am Stück gefahren, noch dazu alleine, auf der linken Seite und mit einem Auto, das ich erst seit einem Tag kenne. Das kann ja was werden.

Und das wird es auch!

Es wird nämlich gut und vollkommen problemlos. Na gut, am Anfang denke ich, das Auto geht gleich kaputt als es plötzlich wie wild anfängt zu piepen. Nach knapp zehn solcher Piep-Anfälle merke ich, dass es eine Geschwindigkeitswarnung ist und ich über 120 km/h gefahren bin.

Weiter geht‘s knapp 600 Kilometer durch das afrikanische Nichts. Überholmanöver werden zur großen Sensation und entgegenkommende Autos blinken sich freundlich zu, denn wer weiß, wann man den nächsten trifft.

 

Nach etwa sechs Stunden erreiche ich Ghanzi in Botswana und ärgere mich, dass ich morgens in Windhoek kein Zelt mehr bekommen habe, denn die Hotelzimmer in Ghanzi kosten laut Reiseführer 50 € und mehr. Das ist mir zu teuer, vor allem weil der Preis für eine Nacht Camping bei etwa 5 € liegt.

Und da ich zwar kein Zelt, dafür aber ein Auto mit einem gigantischen Kofferraum habe, beschließe ich, dass Freddy und ich uns schon schneller näher kommen als gedacht. Leider hat mein treuer Gefährte keine Fenster im Kofferraum und um mich nicht komplett wie in einem Leichenwagen zu fühlen, muss ich die obere Klappe offen lassen.

Für die Mücken ein gefundenes Fressen, denn mein Blut steht auf ihrer Speisekarte ganz oben. Trotz Moskito-Spray wird es eine unruhige und juckende Nacht und ich bin froh, am nächsten Morgen die Mücken-Hölle zu verlassen.

Wiedersehen mit Maun!

Jetzt sind es nur noch knapp 300 Kilometer und schon mittags kann ich nach einem Treffen mit meinem Kooperationspartner von Great Plains Conservation mein geliebtes Zelt in der Okavango River Lodge beziehen.

Viel hat sich nicht verändert in den drei Jahren. Die Zelte haben Holzdecks bekommen und eine kleine Bank, von der man jetzt noch besser auf den Thamalakane Fluss blicken kann. Nur dass der dieses Jahr fast gar kein Wasser führt, wegen der extremen Dürre, die dieses Jahr Einzug hält. Der morgendliche Blick aus dem Zelt auf die Natur ist trotzdem immer noch beeindruckend!

Das Wochenende habe ich noch in Maun, um Besorgungen zu machen und mich ein wenig zu entspannen bevor es morgen früh auf den langen Weg ist Schutzgebiet nach Selinda geht.

Ich freu mich tierisch! Das nächste Abenteuer wartet!

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