Die New York Times hat diesen Ort zu einem der „10 Places you should visit, before they get overcrowded“ gewählt, in Reisemagazinen wird sie oft als „Bestgehütetes Geheimnis der Ukraine“ bezeichnet und die Besucher der Stadt sehen sie häufig als kleine Schwester von Prag oder Krakau.

Die Rede ist von Lviv.

Ich war im Sommer da und die Stadt hat mich echt umgehauen (ein Video von meiner Reise nach Lviv findest du hier)! Wieso und warum, das erfahrt ihr im Folgenden. Außerdem gibt es ein paar Dinge, die ihr vor einer Reise nach Lviv wissen solltet, denn viele haben zum Einen noch nie etwas von dieser Stadt gehört und zum Anderen hält sie so manche Überraschung parat.

Lviv-Ukraine-Reise-Film

9 Dinge, die du über eine Reise nach Lviv wissen musst

1. Die Lage

Lviv liegt ganz im Westen der Ukraine, welche übrigens das größte Land Europas ist (knapp doppelt so groß wie Deutschland) und allein schon daher ist die Krise im Osten des Landes sehr weit weg.

Die Stadt liegt etwa 60 km von der polnischen Grenze entfernt und ist die westlichste/europäischste Stadt der Ukraine. Lviv ist die Hauptstadt des ehemaligen Reichs Galizien, das Teile Südpolens und der Westukraine einschließt.

Heute kommt man mit dem Zug aus Krakau oder direkt mit dem Flieger nach Lviv, denn es gibt einen kleinen, aber feinen Flughafen in der Stadt. Ich bin bei meiner Reise nach Lviv mit Ukrainian International Airlines von Berlin über Kiew nach Lviv geflogen, was auch ziemlich flott ging. Reine Flugzeit sind jeweils 1,5 und 1 Stunde, also wenn die Flüge gut liegen ist man in etwas 3 Stunden dort.

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Lviv: 49.839683, 24.029717

 

2. Der Name

Hast du dich auch schon über diesen halsbrecherischen Namen gewundert, den man als Deutscher kaum aussprechen kann? Auf ukrainisch und englisch heißt die Stadt Lviv, auf polnisch und russisch Lwow.

Alle Namen haben aber die gleiche Bedeutung, und zwar „Löwenstadt“.

Fürst Danilo, der im 14. Jahrhundert die Grundmauern für die Stadt legte, wollte seinem Sohn Lew (altoslawisch für „Löwe“) ein Geschenk machen und baute ihm auf dem heutigen Boden der Stadt eine Burg. Rund um diese Burg entwickelte sich die Stadt und erlangte so ihren Namen -Lwow – also dem Löwen gehörend.

Auch heute begegnen einem noch an vielen Orten und Ecken der Stadt Löwen an Hauswänden oder Löwen-Skulpturen und tragen so zu diesem traditionellen Stil der Stadt bei. Nur dieser laufende Plüsch-Löwe, der muss irgendwie nicht sein 😛

3. Die Bewohner

Lviv ist extrem vielfältig, was daran liegt, dass es eine Vielvölker-Stadt mit einer außergewöhnlichen Geschichte ist.

Vom russischen Fürsten gegründet, fiel die Stadt ein Jahrhundert später an Polen ab, welches das Magdeburger Stadtrecht festlegte. Daraufhin siedelten sich in der Stadt deutsche Bürger, Juden, Christen, Armenier und viele weitere an.
Nach der Teilung Polens im 18. Jahrhundert ging die Stadt an Österreich und wurde zu „Lemberg“, worunter es viele heute noch kennen. Nach dem 1. Weltkrieg ging es dann wieder an Polen und nach dem 2. Weltkrieg an die Sowjetunion. Nachdem jene 1991 zerfallen ist, wurde die Ukraine gegründet und Lviv liegt seitdem ganz im Westen dieses Landes.

Auch heute noch kann man dies Auswirkungen der vielen Wechsel und unterschiedlichen Volksgruppen in der Altstadt anhand der vielen Viertel sehen: Jüdisches Viertel, armenisches Viertel, deutsches Viertel, polnisches Viertel usw. Und natürlich hat jedes Viertel mindestens eine eigene Kirche und wenn man sich die alle angucken will, ist man ganz schön lange beschäftigt  – wie ich selbst auf meiner Stadtführung feststellen musste (Mann, die Füße waren schon echt lahm!)

 

4. Die Kaffeehäuser

Wusstest du, dass es in Lviv eine große Kaffeehaus-Kultur gibt?

Durch die Zugehörigkeit zu Österreich übernahm Lviv die Tradition der Wiener Kaffeehäuser. Überall in der Stadt findet man heute urige und gemütliche Kaffeehäuser im traditionellen Stil oder moderne Coffeeshops mit allem was das Barista-Herz höher schlagen lässt.

Kaffee gehört zum Leben der Lviver einfach dazu und sie mögen es gerne stark, wie ich sehr zu meinem Leidwesen nach dem dritten Kaffee am ersten Tag feststellen musste (ich konnte bis nachts um halb 3 nicht schlafen 😀 ).

Aber wenn du auf Reisen gerne mal ein Päuschen machst und in einem Café einkehrst, bist du in Lviv genau richtig.

Zu meinen Highlights der Kaffeehäuser gehörten auf jeden Fall das Atlas Café direkt am Marktplatz, welches das älteste Café der Stadt ist und der etwas modernere Laden Coffeeshop Company, der ein bisschen an die großen Franchise Unternehmen erinnert.

Besonderes Highlight: Der armenische Kaffee, der auf heißem Lavasand gekocht und dann wie türkischer Kaffee serviert wird. Aber Achtung, der ist echt staaaaaark!

5. Das UNESCO Weltkulturerbe

Man kann von Glück sagen, dass Lviv von den Zerstörungen in beiden Weltkriegen verschont geblieben ist und die Sowjets später ihren Plan nicht durchsetzen konnten, die Stadt platt zu machen und nach sowjetischen Regeln wieder aufzubauen.

Daher sind heute in der Stadt noch sämtliche Baustile der vergangenen Jahrhunderte erhalten und Häuser aus der Renaissance, des Barock, des Jungendstil und des Klassizismus stehen friedlich nebeneinander. Das hat auch die UNESCO erkannt und 1998 die Altstadt zum Weltkulturerbe ernannt. Damit steht Lviv jetzt in einer Reihe mit Dresden (ach nee, da war ja was 😛 ), Venedig, Prag, Stonehenge und dem Kölner Dom.

Für Architektur-Enthusiasten ist bei einer Reise nach Lviv auf jeden Fall was dabei und wer (wie ich) kaum die Unterschiede zwischen Renaissance und Barock erkennen kann, kann sich auch einfach an der schönen Altstadt, den spannenden Gässchen und dem traditionellen Flair der Stadt erfreuen.

 

6. Der Landschaftspark

Mitten in der Stadt befinden sich mehrere Berge (deshalb heißt die Stadt auch LemBERG, wie ich auf einer Fahrradtour feststellen musste), welche zum Landschaftspark Znessinya (bedeutet auf ukrainisch Himmelfahrt) gehören.

Dieser über 300 Hektar große Park liegt mitten in der Stadt und umfasst ein umfangreiches Waldgebiet, seltene Steppenvegetation, ein Freilichtmuseum (der Lviv Skansen), einen alten Friedhof, der eigentlich nicht mehr benutzt werden darf, sowie mehrere Aussichtspunkte.

Einer davon, der Löwenkopf (garstige Menschen sagen auch Glatzkopf zu ihm, da er durch häufigen Gebrauch kahl geworden ist), befindet sich gegenüber des Burgbergs und man kann von dort die Aussicht über die ganze Stadt und das große bewaldete Gebiet des Landschaftsparks genießen.

Nur etwa 20 Minuten vom zentralen Rathausplatz entfernt, ist man mitten in der Natur und kann durch die schattigen Wälder entlang von Bächen und Seen spazieren gehen und den Trubel des Stadt kurz hinter sich lassen.

 

7. Die Bar- und Restaurantszene

Hast du gewusst, dass die älteste Universität der Ukraine in Lviv ist und heute mittlerweile vier Unis Studenten unterrichten?

Und wo viele junge Leute und Studenten sind, da pulsiert häufig auch die Kneipen- und Restaurantszene. So auch in Lviv!

Ob man jetzt auf deftige ukrainische Kost und ein süffiges Bier steht oder doch eher auf italienische, hausgemachte Pasta oder doch ganz vegetarisch oder vegan isst, in Lviv bleibt kein Auge trocken bzw. kein Magen leer!

Ich muss gestehen, dass ich vor meinem Besuch nicht mit so einer großen Vielfalt und vor allem so stylischen Restaurants gerechnet hatte. Teilweise gibt es sogar Themenrestaurants, wie zum Beispiel das Restaurant im Haus des Gaslampen-Erfinders, wo alle Getränke in Messbechern und Reagenzgläsern serviert werden. Oder das Restaurant „Die Post“, das wie eine alte Postfiliale eingerichtet ist mit Postkarten und Briefmarken an der Wand. Auch toll fand ich das Green Café, wo es super leckere vegetarische und vegane Gerichte gab und das von der Inneneinrichtung direkt einem skandinavischen Design-Magazin entsprungen sein könnte.

Ich konnte mich auf jeden Fall bei der großen Auswahl kaum entscheiden!

Und auch das Nachtleben steht dem in Nichts nach!

Eine ganze Reihe an Bars und Kneipen, kleinen Brauereien, Clubs und (mein absoluter Favorit) Dachbars laden in Lviv auf ein kühles ukrainisches Pils oder einen leckeren Cocktail ein.

Verrückt und originell ist das House of Legends mit einem Trabi auf der Dachterrasse und einen Kamin, in den man hineinklettern kann und etwas schicker und perfekt zum Chillen ist die große Dachterrasse des Partyfon.

8. Die Karpaten

Lviv liegt  nur knapp 100 km von den Wald-Karpaten entfernt, den letzten Urwäldern Europas.

Die Karpaten sind ein Hochgebirge, das im Gegensatz zu den Alpen noch nicht so stark vom Tourismus geprägt und daher noch sehr naturbelassen ist. In knapp zwei Stunden Autofahrt (leider sind die Straßen in der Ukraine sehr schlecht, mal kann es schon als Schlag-Krater) bezeichnen, ist man von Lviv in den Karpaten.

Hier kann  man wandern, biken, klettern, in Wasserfällen baden, aus heiligen Quellen trinken, sich mit Vögeln und Mützen fotografieren lassen (das war so nicht geplant!) und Tiere beobachten. In den weitläufigen Karpaten gibt es nämlich tatsächlich noch Bären, Wölfe, Luchse und andere Tiere, die bei uns schon längst vertrieben worden sind.

Wer also genug von Kultur in der Kulturhauptstadt der Ukraine hat, ist in kürzester Zeit mitten in der Natur. Aber so richtig.

Von Lviv aus kann man zum Beispiel geführte Touren durch die Karpaten buchen. Ich war mit dem Guide Roman unterwegs, den ich sehr empfehlen kann.

 

9. Die Verständigung

Die Menschen in Lviv sind alle sehr freundlich und selbst ohne Ukrainisch- oder Russisch-Kenntnisse kann man sich gut verständigen, da viele Englisch sprechen oder es zumindest verstehen.

Verhungert und verdurstet bin ich auf meiner Reise nach Lviv auf jeden Fall nicht und auch in der Stadt habe ich mich trotz kyrillischer Schrift gut zurecht gefunden, da alle Straßennamen auch in lateinischer Schrift vorhanden waren.

Von Russland will man generell nicht so viel wissen, obwohl mir Putins Konterfei doch einige Male in Lviv begegnet ist – allerdings auf Fußmatten und Klopapier 😉

Auch meine Ängste und Vorurteile bzw. die Dinge, die man von den Medien seit Beginn der Krise im letzten Jahr in den Medien hört, haben sich nicht bewahrheitet. Ich habe mich nicht eine Minute unsicher gefühlt in Lviv und hatte das Gefühl, dass die Stadt mit ihren herzlichen Menschen jetzt erst recht zeigen, will was für ein guter Gastgeber sie sein kann.

Schön war’s!

Danke für die Einladung in die „Löwenstadt“ an LvivLviv Tourist Alliance und Ukrainian International Airlines. Meine Meinung bleibt trotzdem zu 100% meine Eigene!

Ich hoffe, ich konnte dir dieses bestgehütete Geheimnis der Ukraine etwas näher bringen. Wenn du Fragen zu Lviv oder der Ukraine hast, kannst du sie mir jederzeit stellen. Ich freu mich über jeden Kommentar, also leg los und erzähl mir was!

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6 Responses

  1. Neni

    Der Blick von oben ist einmalig, super gutes Foto!
    Und danke für den Einblick in die Stadt, bislang wusste ich fast gar nichts über Lviv.

    Antworten
  2. Romeo

    Danke für diesen schönen Einblick – habe Lviv soeben auf meine Städtereise-To-Do-Liste gesetzt 😉
    Liebe Grüße!

    Antworten
    • Carina

      Das freut mich! Die Stadt hat wirklich verdient, dass noch mehr Leute auf sie aufmerksam werden! Obwohl… dann ist sie vielleicht kein Geheimtipp mehr…
      Tja, so ist das immer mit den Reiseblogs 😉

      Antworten

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