Die Scherben knacken geräuschvoll unter unseren Füßen, der Wind pfeift leise durch die zerborstenen Fenster und die Sonne glitzert verheißungsvoll in dem gefliesten Becken. Ein Sprung vom Beckenrand und schon taucht man ein in das erfrischende Nass des Pools.

Aber in diesem Pool wird wohl niemand mehr schwimmen. Das Wasser ist bereits vor 12 Jahren abgelassen worden. Doch trotzdem kann man die lachenden Kinderstimmen und das Plätschern des Wassers fast noch hören und den typischen Chlorgeruch riechen…

Scherben im Lost Place in Berlin

In der Herbstsonne glitzern die Scherben…

Fahrradtour zu einem Lost Place in Berlin

Als wüsste Petrus ganz genau Bescheid über den Tag an dem sich vor 24 Jahren Ost- und Westdeutschland vereinten, schenkte er Berlin (und natürlich auch dem restlichen Deutschland) am 3. Oktober diesen Jahres einen wunderbaren Spätsommertag. Und um dem historischen Anlass gerecht zu werden, entschieden mein Freund und ich uns entlang des Mauerradweges (hier noch mehr tolle Touren!) hinaus nach Pankow zu radeln.

Hier im nordöstlichen Teil der Hauptstadt, das kaum noch an die pulsierende Metropole ein paar Kilometer süd-westlich erinnert, sondern vielmehr an eine eigenständige, schmucke Kleinstadt mit hübschen alten Villen und Parks und Gärten in Hülle und Fülle, wollten wir einen ganz besonderen Ort besuchen – einen Lost Place in Berlin.

Auf dem historischen Mauerradweg, der sich einmal quer durch die Hauptstadt entlang der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und West-Berlin schlängelt, radelten wir nach Norden. Den kleinen Bach „Panke“ als steten Begleiter zur Linken oder Rechten ging es durch den ehemals roten, heute eher bunt durchmischten Wedding immer weiter nach Pankow.

Wer in Berlin mal neue Ecken entdecken will, dem kann ich den Mauerradweg nur empfehlen. Das gilt für Berlinbesucher aber auch für die alteingesessenen Berliner 😉 . Der Weg verläuft an mancher Stelle durch größere Straßen mit historisch wichtigen Stätten und an anderen auch durch ruhige Nebenstraßen mit viel Grün.

Zwischenstopp im Bürgerpark Pankow

Nach einer guten Stunde erreichten wir die erste Zwischenetappe, den Pankower Bürgerpark. An diesem sonnigen Feiertag tummelten sich dort Jung und Alt und genossen noch einmal die letzten kräftigen Sonnenstrahlen. Für Familien und Kinder gehört der Bürgerpark sicherlich zu den schönsten Parks der Stadt, da er neben vielen großen Freiflächen, die zum Spielen einladen, auch für Abenteurer und Tierfreunde was bereit hält.

Der Bürgerpark in Pankow im Norden Berlins

Jung und Alt beim Genießen der Sonne im Bürgerpark

Während die kleinen Kinder die Vögel in den Volieren bestaunen oder die Ziegen mit frischem Gras füttern, entdecken die größeren Kinder den schönsten Kletterbaum Berlins. Übrigens auf Platz 47 der 111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss – ein abwechslungsreiches Buch mit kuriosen Geheimtipps zum Berlin-Entdecken!

Kletterbaum im Bürgerpark Pankow Berlin

111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss. Unter anderem den Kletterbaum im Bürgerpark!

Auch wir machten in Nähe des Parks eine kleine Pause und gönnten uns im Café Mirabelle unweit der S-Bahn Station Wollankstraße zunächst mal eine deftige Bulette mit Bratkartoffeln, wie sich das für einen waschechten Berliner gehört, und danach ein Stück hausgemachten Kuchen.

Dem nahen Hungertod gerade noch entronnen, konnte es dann weiter gehen. Am Bürgerpark vorbei fuhren wir nach kurzer Orientierungslosigkeit in Richtung des Tagesziels: unserem Lost Place in Berlin.

Wer schon öfter auf diesem Blog war, kennt die anderen Lost Places vielleicht schon, wer neu dabei ist kann ja zum Beispiel hier mal gucken: Mussolinis verlassene Villa auf Rhodos.

Durch eine verträumte Nebenstraße mit prächtigen, alten Stadtvillen hindurch, erspähten wir dann endlich das verlassene Betongebäude. Eingeworfene Fenster und Absperrgitter machten deutlich, dass hier keiner mehr seine morgendlichen Schwimmbahnen durchs Becken zieht. Verwildert und eingewachsen lag das Gebäude vor uns.

Die Schwimmhalle in Pankow - ein Lost Place in Berlin

Hinter jungen Bäumen liegt einsam und verlassen die Schwimmhalle in Pankow

Die verlassene Schwimmhalle in Pankow

Durch eine Lücke im Bauzaun, welcher noch mit einem schönen rot-weißen Flatterband verziert war, das geradezu rief: „Achtung! Betreten Verboten!“, kamen wir relativ easy auf das Grundstück und schlichen uns in die verlassene Badeanstalt. Die Eingangstür stand sperrangelweit offen und forderte uns damit quasi auf, das Gebäude auch von innen zu erkunden.

Übersät von Scherben, alten Spraydosen und leeren Bierflaschen präsentierte sich uns die Haupthalle – den ersten Raum, den man beim Reinkommen betritt. Das große Becken mit seinen nummerierten Sprungtürmchen wirkte ohne das glitzernde Nass erstaunlich tief und der trostlose Eindruck wurde durch die Scherben und Spraydosen, die auch im Becken selbst lagen, noch verstärkt.

Das alte Schwimmbecken der Schwimmhalle

Hier zogen früher viele Schwimmer ihre Bahnen…

Mittlerweile war es nach seiner aktiven Zeit als Ort der körperlichen Ertüchtigung zu einer großflächigen Leinwand für Graffiti-Künstler und ihre Motive geworden. Und so brachten immerhin die vielen Graffitis etwas Leben und Farbe zurück in das einsame Schwimmbecken.

Dabei hatten sich die Künstler auch von der Geschichte des Ortes inspirieren lassen und so plantschen immerhin noch an den Wänden Affen mit Schwimmring, Taucher und Badeenten im Wasser.

Graffitis im Lost Place in Berlin

Im Lost Place in Berlin sind viele Graffitis

Im hinteren Bereich gab es ein weiteres kleines Becken, das damals wohl die Kinder und Nichtschwimmer beherbergt hat. Heute waren es wie im großen Becken auch: nur Scherben und Graffitis.

An dem ehemaligen Häuschen des Bademeisters vorbei, dessen mit Blumen verzierte Fenster den Blick in den Garten gewährten, gelangten wir in den Bereich der Umkleiden und Toiletten. Um letztere machten wir einen großen Bogen, da es hier sehr dunkel war und wir nur ein kleines Licht mit dabei hatten.

Bademeisterhäuschen im Lost Place in Berlin

Hinter der Tür wachte der Bademeister über seine Schützlinge

Danach betraten wir den Bereich, in dem es früher hieß: Jeans und T-Shirt aus – Badehose an! Die Schränke für die Klamotten sowie die dazugehörigen Schlüssel waren allesamt noch vorhanden, wobei in manchen Fällen natürlich etwas demoliert.

Am Ende der Umkleidekabinen führte eine schwer zu passierende Treppe in den unteren Bereich des ehemaligen Schwimmbades – direkt zur Sauna. Da hier jedoch ein paar Monate zuvor durch Randalierer ein Feuer gewütet hatte und sämtliche Holzvertäfelungen, wenn sie denn noch vorhanden waren, ziemlich verbrannt und marode erschienen, ersparten wir uns den Weg hinunter.

Vor 12 Jahren hieß es: Eine letzte Baderunde und dann ist Schluss!

Aber auch wenn mittlerweile durch Randalierer viel kaputt gemacht wurde in der Schwimmhalle Pankow, ist immer noch viel von dem ehemaligem Charme vorhanden. So viel Charme, wie ein Betongebäude aus der DDR halt haben kann 😉 .

Nach der Wende wurde das Bad 1996 zum ersten Mal geschlossen und 5 Jahre später, 2001, von der Berliner Bäderbetrieben gekauft und neu eröffnet. Ein Jahr später war schon wieder Schluss mit dem Badevergnügen und seitdem werden die Wände immer bunter und die Scherben auf dem Boden immer mehr.

Blick auf das Becken im Lost Place in Berlin

Heute schwimmt hier niemand mehr in 1,8m tiefen Wasser

Selbst die Uhren, die den Schwimmern einst noch mitteilten, wie lange sie noch im kühlen Nass verweilen konnten bevor der Bademeister die letzte Runde ausrief, waren aus ihrer Verankerung gerissen und hingen nun wahrscheinlich als Souvenir bei einem der vor uns da gewesenen Lost-Place Besucher in der Küche.

Wir werfen noch einen letzter Blick zurück auf die Schwimmha le, die mittlerweile sogar einen Buchstaben auf dem Schild vor der Tür verloren hatte und dann liegt das Bad wieder einsam und verlassen inmitten der schönen, herausgeputzten Häuser und Villen und wartet sehnsüchtig darauf, irgendwann wieder lachende und plantschende Kinder zu empfangen.

Ob das jemals passieren wird, bleibt an dieser Stelle offen.

Eingang zum Lost Place in Berlin

Irgendwann haben die Pflanzen vielleicht auch den Eingang zur Schwimmhalle zugewachsen

Diesen Lost Place in Berlin sowie viele weitere spannende, gruselige oder schöne Orte findet ihr auf diesem Blog: Abandoned Berlin. Amüsant geschrieben und mit sehr hilfreichen Anfahrtsbeschreibungen zu den verlassenen Orten!

An welchen verlassenen Orten wart ihr bereits und habt ihr noch gute Tipps für spannende Orte in Berlin?

Denn selbst als „Alteingesessener“ kennt man ja immer noch nicht alle verborgenen Schätze dieser Stadt.

Ich hoffe euch gefallen meine Fotos und ihr fandet die Tour durch Pankow spannend. Wenn ja würde ich mich über eure Likes sehr freuen und kündige schon mal an, dass ganz bald ein weiterer Blog über einen anderen Lost Place in Berlin – diesmal im tiefen Westen – folgt. Also bleibt dran 🙂

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13 Responses

  1. barb

    Liebe Carina sowohl bildlich als auch in Schriftform eine wunderschöne Wegbegleitung ins Paradies. Du sprichst alle Sinne an, einfach bezaubernd mitgerissen. Danke.

    Antworten
    • Carina

      Danke für das Lob! Freut mich sehr, dass es dir gefällt und ich dich mitnehmen konnte zu meinen kleinen und großen Paradiesen 🙂

      Antworten
  2. Jannis

    Hey,
    toller Spot und toll geschrieben! Das Schwimmbad kannte ich noch gar nicht. Mein erster Gedanke bei Lost Places in Berlin ist der Spreepark. Fast schon schade, dass er zur Zeit wiederbelebt wird.

    Toller Blog und tolle Motivation zu bloggen!
    Das Paradies ist oft so nah.

    LG Jannis

    Antworten
    • Carina

      Hi Jannis!
      Danke für das Lob! 🙂
      Ja, der Spreepark, Teufelsberg oder die Beelitzer Heilstätten sind ja die bekanntesten Lost Places rund um Berlin. Das erkennen leider dann auch oft die Investoren und versuchen damit Geld zu machen…
      Aber es gibt immer noch viele unbekannte Lost Places (wie das Schwimmbad), die auch interessant sind, man muss nur die Augen offen halten 😉

      Liebe Grüße

      Antworten
  3. Jens

    Spannender Ort und Deine tollen Photos runden die sehr schöne Beschreibung eindrücklich ab. Ich bin auch immer fasziniert davon, wie rasch die Natur sich zurückholt, was der Mensch ihr abgerungen, be- und verbaut hat. Auch in Bezug darauf, was wir eigentlich als ‚archäologische Stätten‘ für die Zukunft zurücklassen. Freilich kann ich auch nicht leugnen, dass ein gewisser ‚post-apokalyptischer‘ Charme von solchen Lost Places ausgeht, der so beispielsweise im früheren Spreepark im Pänterwald – ein zugegeben inzwischen fast schon langweilig oft abgelichtetes Motiv (http://vagabondslog.com/2013/08/26/world-without-people-exploring-an-abandoned-amusement-park).
    Besonders spannend sind dann m.E. auch die Spuren menschlichen Alltags – beeindruckend fand ich in dieser Hinsicht z.B. eine in den brandenburgischen Wäldern gelegene Garnisionsstadt der früheren Sowjettruppen – inklusive ziviler Einrichtungen wie Kino, Krankenhaus, Schule usw. usf. Inzwischen aber soweit ich weiß kräftig zurückgebaut.

    Toller Beitrag jedenfalls; vielen Dank!

    Antworten
  4. Bunni

    Schöner Blog!
    Ich mag Geschichten von Lost Places 🙂
    Auf meinem Weg nach Potsdam bin ich oft an den Beelitzer Heilstädten vorbeigekommen….
    Mich würde interessieren was du über Bad Belzig und Wühnsdorf zu schreiben hättest, wenn du mal dort warst 😉 *kleine-Aufforderung-mal-dorthin-zu-reisen

    Antworten
    • Carina

      Hi Bunni,
      dann muss ich deine kleine Aufforderung wohl mal annehmen, denn sowohl in Bad Belzig als auch in Wünsdorf war ich noch nicht 😉 Wenn ich dort war und darüber berichte, gebe ich dir Bescheid 😉

      Und zu den Beelitzer Heilstätten muss ich auch unbedingt noch mal, ein wirklich toller Ort! Und Lost Places sind eh toll! 🙂

      Antworten

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