Die Dielen knarren, Farbe bröckelt von der Wand, auf dem Boden glitzern tausend kleine Scherben im Abendlicht. Wenn dieser Ort heute schon so eine unheimliche Schönheit und Einzigartigkeit ausstrahlt, wie muss es dann erst vor 60, 70 Jahren gewesen sein…?

Ein besonderes Highlight unserer Reise nach Rhodos war der Lost Place direkt auf der Spitze des Profitis Ilias!

Ein Lost Place auf der Spitze des Profitis Ilias

Doch bevor wir in den Genuss des Ausblicks von der alten, eindrucksvollen Veranda direkt auf das Mittelmeer kamen, stand uns erst mal eines bevor: der Aufstieg auf den Berg des Propheten Ilias mit nur schlappen 798 m über dem Wasser.

Mittlerweile waren wir aber auch schon alle gut in Form durch unsere bereits absolvierten „Bergtrainings“, wie zum Beispiel den Aufstieg auf das Kloster von Tsambika. Und so trabten wir fröhlich wie die Esel, für die der „Weg“ nach oben errichtet wurde, den Berg hinauf 😀

Dabei gab es natürlich aber auch schon viele Tiere und Pflanzen zu bestaunen:

Gottesanbeterinnen, Orchideen, Olivenbäume, Aronstabgewächse und natürlich die allseits umherstreifenden Ziegen.

Mit Rucksack und Fotoausrüstung beladen ist es allerdings nicht ganz so einfach, den etwa 50 cm breiten Pfad zum Berg hinauf zu kraxeln und erst recht nicht, dabei noch halbwegs brauchbare Fotos zu machen… Naja, wozu können wir Frauen denn Multi-Tasking! 😉

Doch die Erschaffer des Esel-Tracks haben es wohl gut mit uns gemeint und so gab es fast an jeder Abbiegung oder Serpentinen-Kurve einen kleinen Felsvorsprung von dem man bereits einen fantastischen Ausblick auf das Tal und das dahinter liegende Meer hatte. Und so klickten die Kameras in einer Tour, ein Panorama jagte das nächste und etliche „Ich-vor-dem-Abgrund-mit-Meer-im-Hintergrund-Bilder“ sämtlicher Mitglieder unserer Reisegruppe Sonnenschein entstanden. Natürlich nur um mal ein neues Facebook-Profil-Bild reinzustellen der Familie zu zeigen, wo man eigentlich war.

Panorama des grünen Tals auf Rhodos

Panorama über das Tal von Kamiros

Blick über das Tal von Rhodos

Yeah, ich war hier!

Und ehe man sich versah, war man neben all dem Fotografieren und Pflanzenbestimmen bereits auf der Kante des Berges angekommen. Von hier aus war es nur noch ein kurzes Stück und nur noch wenige Meter bergauf zu den sagenumwogenden Villen auf der Spitze des Profitis Ilias.

Aufstieg zum Profitis Ilias auf Rhodos

Der Pfeil zeigt den Weg hinauf zur Spitze

Zwei höchst imposante Villen – Die eine ist heute ein Hotel, die andere ein Lost Place

Was viele gar nicht wissen: Rhodos war in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts von den Italienern besetzt. Deshalb gibt es auf der Insel viele Häuser und Kirchen im italienisch-romanischen Stil und sogar ganze Kiefern-Wälder wurden von den Italienern zur Holzproduktion angelegt. (Was man nicht alles bei so einem Projektbericht lernt…)

Auch eben jene beiden Villen wurden 1936 von den itlanienischen Besetzern errichtet. Laut der Sage Wikipedia ließ Mussolini höchstpersönlich die Villen auf dem Berg erbauen und orientierte sich dabei am Südtiroler Landhausstil und insbesondere an Hitlers Berghof. Doch betreten hat er die Häuser nie. Das heute verlassene Chalet gehörte dem General der Vecchi, der dort oben angeblich wilde Parties und rauschende Orgien feierte. Davon konnten wir allerdings nichts mehr entdecken.

Ein Lost Place auf Rhodos, die Villa de Vecchi

Villa de Vecchi auf Rhodos – ein Lost Place

Ausblick auf das Mittelmeer - Lost Place

Blick durchs Fenster hinauf aufs Mittelmeer

Farbige Holzdecke im Lost Place

In den 50er Jahren gingen die Häuser dann in den Besitz des griechischen Königs Pavlos, der die Häuser renovierte und als Sommersitz nutzte. Aber schon nach wenigen Jahren wurden die Häuser nicht mehr genutzt (Rhodos ist ja auch nicht soooo nah bei Athen) und die Häuser verfielen zunehmend.

2004 gingen die Villen dann in den Besitz der Gemeinde. Mit Fördergeldern von der EU wurde zunächst nur das etwas größere und tiefer gelegene Haus, genannt Elaphos (gr. für Hirsch) restauriert und als Hotel neu eröffnet. Heute strahlt es in neuem, etwas künstlichem Schein und könnte glatt aus einem Reiseprospekt für die Alpen sein.

Die kleine Schwester des Hauses, Elaphina (Hirschkuh), ist bis heute verlassen und konnte ihren ganz eigenen Charme bewahren.

Hier ist die Geschichte noch mit Händen greifbar. Man erkennt zum Beispiel die unterschiedlichen Farbanstriche an den Wänden. Der erste Anstrich war anscheinend ein sonniges gelb und wurde im Laufe der Zeit durch ein Blau ersetzt. Heute gibt die abblätternde blaue Farbe langsam wieder ihr ursprüngliches Gelb preis. Auch die Blümchen-Fliesen in den Badezimmern erinnern mich doch sehr an den Stil der 50er/60er Jahre und wurden wahrscheinlich erst bei der zweiten Renovierung angebracht.

Die verlassene Villa - ein Lost Place

DIe blätternde Farbe zeigt die unterschiedlichen Nutzungen der Villa

Badezimmer des Lost Place

Kaminzimmer im Lost Place auf Rhodos

Ich finde man spürt den Geist dieses Ortes. Irgendwie hat er was erhabenes. Selbst die vielen Graffitis können dem Stolz des Ortes nichts anhaben.

Wie eine Königin thront diese Villa auf der Spitze des Berges und schaut bedächtig auf das grüne Tal und das blaue Mittelmeer. Mich hat dieser Ort nachhaltig beeindruckt.

Veranda der Villa de Vecchi - Lost Place auf Rhodos

Die Aussicht ist unbeschreiblich…

Dezeit laufen die Planungen aus dem Lost Place ein großes Spa oder eine Erweiterung des Hotels zu machen.

Ich habe da aber einen ganz anderen Plan: Das Haus würde sich doch wunderbar als griechische Forschungsstation der Uni Potsdam eignen. Vergesst Gülpe! 😀 Wir sammeln einfach ein bisschen Geld und dann bringen wir den Schuppen wieder auf Vordermann! So viel ist ja auch nicht zu tun. Vielleicht neue Scheiben für die Fenster. Und ein neuer Anstrich kann auch nicht schaden.

Nun ja, Träume sind ja zum Glück noch erlaubt und so ein Lost Place verleitet einen geradezu zum Tagträumen und Gedanken-schweifen-lassen…

P.S. Für alle Geocacher unter euch: Es ist natürlich auch ein Cache im Lost Place versteckt 😉

Wart ihr schon mal in so einem Lost Place? Und habt ihr noch tolle Tipps für solche hier in der Nähe?

Teile es mit deinen Freunden!
Share on Facebook3Tweet about this on TwitterShare on Google+0Pin on Pinterest3Email this to someone

11 Responses

  1. Hans Günter König

    Sehr schöne Bilder aus diesem verweisten Haus … leider wurde nach 2011 die kleine Badewanne im Raum mit den Blumenfliesen herausgebrochen und entfernt. Ob der Materialwert dies rechtfertigt und wer wollte darin baden? Ansonsten viel Spaß beim Erkunden auflässiger Orte 🙂

    Antworten
    • Carina

      Das ist ja leider immer so schade, dass in so verlassenen Häusern immer so viel geklaut oder einfach nur kaputt gemacht wird. Aber irgendwie macht das ja manchmal auch den besonderen Reiz des Unvollkommenen aus.
      Aber vielen Dank! Es folgen bald auch noch ein paar Lost Places aus Deutschland 😉

      Antworten
  2. Martina Barth

    Wunderschöner Beitrag, der direkt Heimweh nach Rhodos weckt! Wir sind viele Jahre hintereinander dort hingefahren und haben uns auch öfters die verlassene Mussolinivilla und das alte Hotel angeschaut, damals noch nicht renoviert! Super Fotos und auch Dein Beitrag über das Tsambika Kloster hat mir sehr gut gefallen! Heute würde ich diese Besuche auch gerne zu Fuß machen, damals sind wir gar nicht auf die Idee gekommen zu wandern ;-)! Einzig das Grab des Kleobulus gegenüber von Lindos haben wir uns angeschaut, denn dort kommt man nur zu Fuß oder mit dem Boot hin!

    Antworten
    • Carina

      Danke, schön, dass es dir gefällt! Die Aufstiegs sind auch gar nicht so ohne, als richtige Wanderwege kann man die eigentlich nicht bezeichnen. Aber uns haben ja beim Aufstieg auch hauptsächlich die Pflanzen interessiert. Es gab einige tolle Orchideen und Knabenkräuter zu bewundern. Die waren allerdings beim Ausblick von der Villa auch schnell wieder vergessen 😉

      Antworten
    • Sassy

      Hallo Martina,
      Sind auch schon viele Jahre auf Rhodos und lieben es darüber zu berichten.
      Von dem Grab habe ich noch nie etwas gehört! Wo ist denn das genau?
      LG Sassy

      Antworten
  3. Tiffany

    Ich liiiiebe verlassene Häuser, die sind einfach der totale Fotografentraum 🙂 toller Artikel und tolle Fotos, da muss ich auch mal hin.

    Antworten
  4. Sassy

    Ein unglaublich toller Ort! Aber manchmal echt gruselig. In den zweiten Stock haben wir uns bisher nicht getraut! Aber ich habe letztens von Bekannten gehört, dass die Aussicht da oben noch besser sein soll als über der Veranda!
    Ja den Profites Ilias sind wir auch bestiegen, weil es so toll sein soll… An der Spitze angekommen, haben wir nichts als ein paar Bäume gesehen. Mussten sehr schmunzeln!
    Allerdings haben wir auf dem leichteren Rückweg in einem Berg einen Eingang entdeckt! Haben uns aber mal wieder nicht getraut rein zu gehen; man ist im Frühjahr ja doch sehr verlassen. Wissen leider noch immer nicht wozu das ist. Ob es ein altes Bergwerk ist?!
    Schöner Beitrag, macht unsere Vorfreude noch größer 🙂
    LG Sassy

    Antworten
    • Carina

      Ja, wir waren auch im zweiten Stockwerk und der Boden kam mir doch recht instabil vor. Aber wenn man vorsichtig drauf läuft, sollte es eigentlich gehen. Die Aussicht ist natürlich toll von da! Allerdings nicht soooo viel spektakulärer als von der Veranda….
      Bis auf die Spitze des Profitis sind wir dann gar nicht mehr gelaufen, der Ausblick von der Villa war unserer krönender Abschluss! Und außerdem mussten wir den Eselpfad ja auch wieder runterkraxeln 😉

      Aber ein wirklich toller und magischer Ort!

      Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.